Predigten
Pontifikalamt
des Apostolischen Nuntius in Deutschland,
Erzbischof Dr. Jean-Claude Périsset,
anlässlich des Jubiläums „700 Jahre Wallfahrt in Marienthal“
(Marienthal bei Geisenheim, 8. September 2009)
Einführung:
Liebe Brüder im Bischofs-, Priester- und Diakonenamt,
liebe Brüder im Kloster St. Franziskus,
liebe Brüder und Schwestern!
Pax et Bonum Ihnen allen im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!
Der Friede sei mit Euch!
Am Fest Mariä Geburt ist es der Sohn Marias, der uns hier in Marienthal zur heutigen Wallfahrt versammelt, die nunmehr schon seit 700 Jahren stattfindet. Im Jahre 1309 hat sie ihren Anfang genommen dank eines Wunders, durch das ein Mann auf die Fürbitte der Gottesmutter das durch einen Unfall verlorene Augenlicht zurückbekam. Das heutige Wunder - wenn man so will - besteht darin, dass wir in Treue diese Wallfahrt unternehmen, um die Fürbitte Marias „für uns arme Sünder“ zu erbitten.
Zu Beginn dieser Feier wollen wir uns besinnen und das Erbarmen Gottes auf uns arme Sünder herabrufen, indem wir das Schuldbekenntnis sprechen.
Am Fest Mariä Geburt ist es der Sohn Marias, der uns hier in Marienthal zur heutigen Wallfahrt versammelt, die nunmehr schon seit 700 Jahren stattfindet. Im Jahre 1309 hat sie ihren Anfang genommen dank eines Wunders, durch das ein Mann auf die Fürbitte der Gottesmutter das durch einen Unfall verlorene Augenlicht zurückbekam. Das heutige Wunder - wenn man so will - besteht darin, dass wir in Treue diese Wallfahrt unternehmen, um die Fürbitte Marias „für uns arme Sünder“ zu erbitten.
Zu Beginn dieser Feier wollen wir uns besinnen und das Erbarmen Gottes auf uns arme Sünder herabrufen, indem wir das Schuldbekenntnis sprechen.
„Wir wissen, dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt, bei denen, die nach seinem ewigen Plan berufen sind“ (Röm 8, 28)
Predigt:
Sehr geehrter, lieber Herr Bischof,
liebe Brüder des heiligen Franziskus,
liebe Brüder und Schwestern im Glauben!
Maria aus Nazaret wurde von Gott gerufen, der Welt das größte Gut zu schenken, ihren Sohn Jesus, - „wahrer Gott vom wahren Gott“, wie wir im Großen Glaubensbekenntnis beten -, unseren Erlöser. Das Tagesgebet nennt uns als Grund des heutigen Festes, dass Maria die Mutter Gottes ist: „Das Geburtsfest seiner allzeit jungfräulichen Mutter festige und mehre den Frieden auf Erden“ (Tagesgebet vom 8. September).
Dieses Fest am 8. September hat eine sehr alte Tradition; denn schon im fünften Jahrhundert wurde in Jerusalem an der Stelle, an der der Überlieferung nach Marias Eltern Joachim und Anna gewohnt haben und die mit der Geburt Marias in Verbindung gebracht wird, an diesem Tag das Weihefest der St. Anna-Kirche begangen. Am 8. September 1330 wurde die Wallfahrtskirche hier in Marienthal durch den Trierer Erzbischof Balduin von Lützenburg geweiht und nach der teilweisen Zerstörung im 18. Jahrhundert 1858 wiederum am 8. September durch Bischof Josef Peter Blum neu geweiht.
An diese geschichtlichen Daten möchte ich anknüpfen. Mir gefällt eine Beziehung zwischen der Kirchweihe und dem Fest Mariä Geburt, weil Kirche und Maria jeweils Wohnsitz Christi sind. In der Lauretanischen Litanei finden sich für Maria die Titel „Sitz der Weisheit“, „Tempel des Heiligen Geistes“, „Tabernakel der ewigen Herrlichkeit“, „Wohnung ganz Gott geweiht“, und weiter noch „goldenes Haus“, „Arche des Bundes“ und „Pforte des Himmels“: alles Benennungen, die auch auf jedes Kirchengebäude angewandt werden können.
Deswegen wollen wir uns in unserer heutigen Betrachtung mit der Beziehung Marias zu ihrem Sohn Jesus beschäftigen, um so rascher und sicherer zum Erlöser zu gelangen. Denken wir daran, dass das letzte Wort Marias, das uns die Evangelien überliefern, ihr Wort an die Tischdiener auf der Hochzeit zu Kana ist: „Was er euch sagt, das tut“ (Joh 2, 5)! Das sagte sie bei der Hochzeit damals zu den Tischdienern – das sagt sie heute zu uns.
1. „Bei denen, die ihn lieben, führt Gott alles zum Guten.“ Dass Maria Gott liebte, wird durch die Heilige Schrift bestätigt: Der Erzengel Gabriel grüßt sie mit den Worten: „Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir“ (Lk 1, 18). Ihre Verwandte Elisabet, die in einer Stadt im Bergland von Judäa wohnt, empfängt sie mit den Worten: „Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen“ (Lk 1, 42). Jesus selbst lobt seine Mutter wegen ihres Glaubens, als er einem, der ihm sagt, seine Mutter und seine Brüder warteten draußen und wollten ihn sprechen, antwortet: „Wer den Willen meines himmlischen Vaters erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter“ (Mt 12, 50).
Die Kirchenväter pflegten zu sagen, dass Maria ihren Sohn eher im Glauben als im Schoß empfangen habe. Sie war achtsam für das Wort Gottes. Deshalb konnte sie bei der Verkündigung ihre volle Zustimmung zum Willen Gottes geben: „Mir geschehe, wie du es gesagt hast“ (Lk 1, 38). Nicht umsonst lädt uns die kirchliche Überlieferung ein, dreimal am Tag beim Läuten der Glocke zum Angelus ihre Antwort zu wiederholen, die immer auch unsere Antwort sein sollte.
Der Glaube ist nicht ein theoretisches Wissen, als ob es genügen würde, die Lehre über Gott zu kennen. Dazu sagt der Apostel Jakobus in seinem Brief an die zwölf Stämme in der Zerstreuung: „Du glaubst: Es gibt nur den einen Gott. Damit hast du recht: das glauben auch die Dämonen, und sie zittern. Willst du also einsehen, du unvernünftiger Mensch, dass der Glaube ohne Werke nutzlos ist?“ (Jak 2, 19f). Maria hat sich als die treue Magd ganz von Gott in Dienst nehmen lassen und ist so Mutter des Gottessohnes, Gottesgebärerin - Theotokos - geworden
2. Das heutige Fest hat sein Fundament einzig eben darin, dass Maria am Werk unserer Erlösung mitwirkte, indem sie den Erlöser Jesus Christus empfing und gebar. Als ich während meiner Zeit als Nuntius in Rumänien die nördlichen Klöster Moldavita, Putna und Voronet besuchte, habe ich erlebt, dass im Vorraum der Kirchen für die Gläubigen der liturgische Kalender zu sehen war, auf dem auf Bildern die Tagesheiligen oder das jeweilige liturgische Fest dargestellt waren. Das liturgische Jahr der Ostkirche beginnt am 1. September, mit dem Monat, in dem am 8. September das Fest Mariä Geburt gefeiert wird; an ihm „leuchtet uns auf die Morgenröte der Erlösung“, wie wir in der Präfation hören werden. Dieser Ausdruck „Morgenröte“ gefällt mir besonders, weil durch ihn die Mitwirkung Marias - die Mitwirkung des Menschen - bei der Erlösung der Welt klargestellt wird. Mit Recht sagen die Theologen, dass Gott, der die Welt ohne uns geschaffen hat, sie nicht ohne uns erlösen will. Woher kommt die Morgenröte? Aus der aufgehenden Sonne; die Röte hängt völlig von der Sonne ab. Hat Christus uns nicht im Weinstockgleichnis gewarnt: „Getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen“ (Joh 15, 5)?
Ja! Maria ließ das Licht Gottes in seiner Fülle auf sich herabkommen, seine Strahlen erreichen von ihr her auch uns. Die marianische Frömmigkeit - also auch unsere Wallfahrt hier nach Marienthal - hat hier ihre Wurzeln: Zu Maria, um sicherer und rascher zu Christus zu gelangen. Aber damit ist nicht alles abgeschlossen und fertig: Wir sollen dieses Licht um uns herum scheinen lassen, wie Jesus seine Jünger gelehrt hat: „Ihr seid das Licht der Welt. … So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen“ (Mt 5, 14-16). Ist uns das möglich? Ja! Denn wie die Morgenröte ihr Licht von der Sonne empfängt, so sind wir von Christus als Licht beleuchtet (vgl. Joh 8, 12). Mit Recht beginnt die Dogmatische Konstitution über die Kirche des Zweiten Vatikanischen Konzils mit den Worten: „Christus ist das Licht der Völker. Darum ist es der dringende Wunsch dieser im Heiligen Geist versammelten Synode, alle Menschen durch seine Herrlichkeit, die auf dem Antlitz der Kirche widerscheint“, - also in und durch uns – „zu erleuchten, indem sie das Evangelium allen Geschöpfen verkündet“ (Lumen Gentium 1).
3. Wir sind von Gott her berufen, bei der Verwirklichung des Guten mitzuwirken, und unsere Wallfahrt ist uns dabei eine vortreffliche Unterstützung, aber auch ein Ansporn. Vielleicht erscheint uns das schwer oder sogar unmöglich, wenn wir an die Situation zu Hause bei unseren Verwandten und Mitarbeitern denken. Aber die Wallfahrt erneuert uns in unserer Hingabe an Gott - unter dem Schutz Marias. Wenn wir jeden Tag den Rosenkranz und den Engel des Herrn beten, lassen wir den Glanz dieser Wallfahrt nach Marienthal auf uns leuchten und so über unsere Umgebung strahlen.
Es geht also um unser Vertrauen auf die Gnade Gottes, und dabei können wir auf die Fürsprache Marias zählen. Sie wird von uns auch als „Heil der Kranken“ angerufen, als „Zuflucht der Sünder“, als „Trösterin der Betrübten“ und „Hilfe der Christen“. Sie ist als Mutter Gottes Mittlerin von Gott zu uns, aber auch unsere Mittlerin zu Gott als „Mutter der Kirche“ – ein Titel, den Papst Paul VI. ihr am 21. November 1964 am Schluss der dritten Sitzungsperiode des Zweiten Vatikanums offiziell zuerkannte.
Ja, die Geburt Marias war die Morgenröte der Geburt Christi, der Erlösung, unserer Erlösung. So feiern wir zu Recht am 8. September ihre Geburt. Es geht also um uns selber, die wir durch das Blut Christi erlöst sind, das er in seiner Menschwerdung von Maria empfangen hat. Lassen wir uns durch sein Blut reinigen (vgl. Offb 1, 5; 7, 14), und loben wir Maria, seine Mutter, am Gedenktag ihrer Geburt, die uns die Morgenröte unserer Erlösung bedeutet; denn in allem hat Gott in ihr zum Guten mitgewirkt.
Amen!






