Grussworte

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Grußwort
des Apostolischen Nuntius in Deutschland,
Erzbischof Dr. Jean-Claude Périsset,
an die Teilnehmer am
Marsch für das Leben

(Berlin, 18. September 2010)




Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,
sehr geehrte Damen und Herren!

Die Notwendigkeit, sich für den Schutz des Lebens einzusetzen und ihn auch auf den Straßen zu verteidigen, gehört zu den „Zeichen der Zeit“, weil die Kluft zwischen Gottesgesetz und Naturgesetz auf der einen Seite und dem Staatsgesetz auf der anderen immer größer wird, damit aber die Achtung vor der Unantastbarkeit des menschlichen Lebens nicht mehr selbstverständlich ist.

Überholt und immer mehr vergessen scheint das einfache Gebot des Dekalogs zu sein: „Du sollst nicht töten“ (Ex 20, 13), das für jeden Augenblick des menschlichen Lebens gilt, von der Empfängnis im Schoß der Mutter bis zum natürlichen Tod.

Gegenüber diesen gegenwärtigen Tendenzen ist auf die Pastoralkonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils über die Kirche von heute „Gaudium et spes“ zu verweisen, in der es heißt, dass „der Mensch ein Gesetz hat, das von Gott in sein Herz eingeschrieben ist, dem zu gehorchen eben seine Würde ist und gemäß dem er gerichtet werden wird“ (Gaudium et spes 16).

Diesem Gesetz begegnet der Mensch in seinem Gewissen, es soll da, wo der Mensch Verantwortung wahrnimmt, die Grundlage seines Handelns bilden. Eine solche Pflicht wahrzunehmen, ist heutzutage nicht leicht, wie Papst Benedikt XVI. am 24. Februar 2007 in einer Ansprache an die Teilnehmer der Vollversammlung der Päpstlichen Akademie für das Leben sagte. Dazu bedarf es der entsprechenden Bildung des Gewissens. Über sie sagte der Papst wörtlich: „Die Bildung eines wahren – weil auf die Wahrheit gegründeten – und eines rechten Gewissens – weil es dazu bestimmt ist, den Geboten der Wahrheit widerspruchslos, treu und kompromisslos zu folgen – ist heute ein schwieriges und delikates, aber unverzichtbares Unterfangen“ (Benedikt XVI., 27. Februar 2007). Nicht ohne Grund hat Papst Benedikt XVI. am 29. Juni dieses Jahres den Päpstlichen Rat zur Förderung der Neuevangelisierung ins Leben gerufen; es geht letztendlich darum geht, die Werte, die aus der Frohbotschaft herkommen, den Menschen in einer der heutigen Zeit angepassten Form nahezubringen.

Ihre heutige Kundgebung und Ihr Marsch für das Leben durch das Zentrum der Hauptstadt sind ausgezeichnete Mittel, persönlich Ihre gesellschaftliche Verantwortung zum Schutz des Lebens zu bekräftigen und zugleich die Sensibilität der Öffentlichkeit für die Fragen des Lebensschutzes zu schärfen. Ihr Zeugnis für das Leben dient der „Kultur des Lebens“, die die „des Todes“ sicher überwältigen wird. „Gott ist nicht der Gott der Toten, sondern der Gott der Lebenden“ (Mt 22, 32), sagt Jesus in einem anderen Zusammenhang. Heute wollen wir uns, weil unser Glauben uns drängt, nach seinem Willen, nach seiner Güte, mit seiner Weisheit für das Leben einsetzen.

Unsere Verantwortung, das Leben zu verkündigen und zu verteidigen, ist in einem lebendigen Glauben verwurzelt. Das beste Mittel, Finsternis zu überwinden, besteht darin, dass man Licht bringt. Und das bedeutet für uns, dass wir unter allen Umständen mit Kraft und Klarheit Stellung nehmen.

Möge der Heilige Geist Ihnen allen solche Wahrheit und Kraft in reichem Maße schenken!

Berlin, den 8. September 2010
am Fest Mariä Geburt

+ Jean-Claude Périsset
Apostolischer Nuntius