Grussworte
Dankadresse
des Apostolischen Nuntius in Deutschland,
Erzbischof Dr. Jean-Claude Périsset,
im Namen der Missionschefs des Diplomatischen Korps
und der Internationalen Organisationen
im Rahmen der Informations- und Begegnungsreise
in den Freistaat Thüringen am 14. September 2010
Sehr geehrter Herr Bundespräsident,
sehr geehrte Frau Ministerpräsidentin des Freistaates Thüringen!
Im Namen des Diplomatischen Korps und der Internationalen Organisationen bedanke ich mich bei Ihnen für die Einladung, heute den Freistaat Thüringen zu besuchen und uns dabei durch die Begegnung mit den kulturellen Gütern des Landes beschenken zu lassen.
Dass Thüringen sich „Freistaat“ nennt, bedeutet sicher nicht, dass es sich von der übrigen Bundesrepublik Deutschland abspaltet, vielmehr leistet es einen außerordentlichen Dienst für die Deutschen insgesamt. Die Geschichte zeigt, welche Bedeutung Thüringen für die Kultur in Deutschland hat: Denken wir an die Patronin des Landes, die heilige Landgräfin Elisabeth von Thüringen, die trotz ihres kurzen Lebens durch ihre selbstlose Nächstenliebe das Leben und Denken ungezählter Menschen bis in unsere Zeit geprägt hat. Denken wir - im Hinblick auf die Stationen unserer Reise - etwa an die Literatur, wo mit Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich von Schiller die beiden wohl bedeutendsten Vertreter der sogenannten Weimarer Klassik Thüringen zuzurechnen sind; sie haben hier gelebt und gewirkt und sind beide in Weimar gestorben. Im Bereich der Musik denkt man etwa an Johann Sebastian Bach, der neun Jahre in Weimar tätig war, im folgenden Jahrhundert an Franz Liszt, dessen 200. Geburtstag im nächsten Jahr gefeiert wird. Er war achtzehn Jahre Kapellmeister in Weimar - und daneben immer wieder europaweit auf Konzerttourneen. Anlässlich der Enthüllung des Goethe-Schiller-Denkmals in Weimar im September 1857 dirigierte Liszt die Uraufführung seiner Faust-Sinfonie. Kunst einigt die je verschiedenen Kunstarten, und der Freistaat beweist das durch seine Geschichte.
Deshalb könnte man, liebe Kollegen im Diplomatischen Korps und werte Vertreter der Internationalen Organisationen, unsere heutige Fahrt auf Einladung des Herrn Bundespräsidenten eine Kunstreise nennen. Wir möchten Ihnen, sehr geehrter Herr Bundespräsident, für die Begegnung mit historisch bedeutsamen und weltweit bekannten Schriftstellern und Komponisten und Musikern danken.
Der Satz aus Goethes Schauspiel „Torquato Tasso“: „Ein edler Mensch zieht edle Menschen an und weiß sie festzuzuhalten“ scheint mir auch auf unseren Aufenthalt in Thüringen anwendbar zu sein und unsere spontane Zuneigung zum Freistaat wiederzugeben.
In Anwendung auf das Diplomatischen Korps bietet sich im selben Sinne ein Vers aus Schillers Gedicht Die Kraniche des Ibikus an, der lautet: „Wer zählt die Völker, nennt die Namen, die gastlich hier zusammenkamen?“



