Grussworte

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Grußwort
des Apostolischen Nuntius in Deutschland,
Erzbischof Dr. Jean-Claude Périsset,
bei der Vorstellung des Sonderpostwertzeichens
„100. Geburtstag Mutter Teresa“
in der Kirche St. Marien-Liebfrauen zu Berlin, 10. August 2010




Sehr geehrter Herr Parlamentarischer Staatssekretär Koschyk,
sehr geehrte Schwestern der Kongregation der Missionarinnen der Nächstenliebe,
sehr geehrte Damen und Herren!

Dass die Deutsche Post anlässlich des hundertsten Geburtstages der seligen Mutter Teresa von Kalkutta ihr zu Ehren ein Sonderpostwertzeichen herausbringt, ist eine Einladung an die deutsche Gesellschaft - unabhängig von der Weltanschauung des einzelnen Bürgers -, über die Armut nachzudenken.

Was Mutter Teresa in Kalkutta geleistet hat, um den Armen beizustehen - besonders den auf der Straße sterbenden Obdachlosen -, hat bald andere zur Nachahmung herausgefordert. Mehr noch als um die Bekämpfung der materiellen Armut ging es ihr darum, die seelische, menschliche und gesellschaftliche Armut zu bekämpfen. So hat sie gegen ihren und unseren Egoismus gekämpft und eine weltweite Bewegung hervorgebracht, die der Liebe den Vorrang in den weltlichen Beziehungen gibt.

Die Auszeichnung mit dem Friedensnobelpreis im Jahre 1979 – nach dem Friedenspreis Johannes XXIII. im Jahre 1971, dem Nehru-Preis 1972 und dem Balzan-Preis 1978 – und die Verleihung des Templeton-Preises für ausgezeichnetes Wirken haben sie weltbekannt und berühmt gemacht. Für sie in ihrer immerwährenden Haltung der Demut war das alles wie eine Art Sprungbrett für ihr Charisma, ihre Achtung gegenüber den Armen anderen mitzuteilen und durch ihr Zeugnis für sie zu werben. Nicht sie, sondern ihr Engagement, das sie als Christus geweihte Ordensfrau für die Armen aufbrachte, führte mit dazu, dass ihr diese Preise verliehen wurden. Für den Dienst an den Armen gründete sie 1950 einen eigenen Orden, die „Missionaries of Charity“ - „die Missionarinnen der Nächstenliebe“.

Eine Anekdote aus ihrem Leben kann den Zugang zum Verständnis für ihre Grundhaltung in dieser Frage erleichtern. Sie wurde mir von einer ihrer Mitschwestern in Moskau erzählt, die sie selbst von Moskauern gehört hatte. Ein Film über das Leben von Mutter Teresa hatte bei den Moskauer Filmfestspielen eine Auszeichnung bekommen. Die Veranstalter der Festspiele hatten erreichen können, dass Mutter Teresa bei der Überreichung des Preises persönlich anwesend war. Sie bekam auch ein Geschenk von Frau Gorbatschowa, die die Schirmherrschaft für die Festwoche übernommen hatte. In ihrem kurzen Dankeswort fand Mutter Teresa eine Gelegenheit, ihre Missionaries of Charity in die Sowjet-Union zu schicken. Sie sagte: „Ja, in meinem Volk“ - sie gehörte dem albanischen Volk im heutigen Makedonien an - „gibt es die Gewohnheit, auf ein Geschenk mit einem Gegengeschenk zu antworten.“ Und sie suchte in der bei den Schwestern gebräuchlichen Börse. „Aber ich habe nichts. Was kann ich Ihnen als Ausdruck meiner Dankbarkeit anbieten?“ Und sie schaute umher, still und langsam, und sagte dann: „Ich habe eine Lösung gefunden: Ich gebe Ihnen eine Gemeinschaft meiner Schwestern für Moskau.“ So wurde Frau Gorbatschowa die Gründerin des Hauses für behinderte Kinder in Moskau, ein Haus, das ich bei meinen Aufenthalten in Moskau zweimal besuchen konnte, um am Samstag früh zusammen mit dem Sekretär der Nuntiatur die heilige Messe für die Schwestern zu feiern.    

Liebe wirkt ansteckend, wenn sie mit Demut und Hoffnung gepaart ist.

So möge es auch mit dieser Briefmarke geschehen, die heute auf den Markt kommt, dass sie nicht nur im Postverkehr Verwendung findet, sondern auch die Herzen anrührt!