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BOTSCHAFT
DES APOSTOLISCHEN NUNTIUS IN DEUTSCHLAND
ERZBISCHOF DR. JEAN-CLAUDE PERISSET
(Berlin, Weihnachten 2007)
ES GEHT UM UNS, UM UNSERE RETTUNG
In der Ohnmacht des Kindes in der Krippe zeigt sich die Macht der Liebe Gottes -
„Wenn ich schwach bin, bin ich stark“ (2 Kor 12, 10)
Das Kind in der Krippe, das unser Herz an Weihnachten mit Zärtlichkeit erfüllt, ist sicher nicht nur Gegenstand unseres Glaubens, sondern auch ein Paradox. Gott, der Allmächtige, zeigt uns, dass er in seinem Sohn einer von uns geworden ist, wie die Engel es den Hirten verkündigt haben: „Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt“ (Lk 2, 12). Warum hat Gott so gehandelt? Warum wollte er uns in dem ursprünglichen Zustand seiner Geschöpfe in solcher Art und Weise - „nach seinem Bild und Gleichnis“ - wiederherstellen? Papst Benedikt XVI. lieferte uns den Schlüssel zum Verständnis dieses Paradoxes und zur Vertiefung unseres Glaubens an die Menschwerdung Gottes, als er bei seinem Österreichbesuch am 8. September dieses Jahres in Mariazell sagte: „Gott kommt nicht mit äußerer Macht, sondern er kommt in der Ohnmacht seiner Liebe, die seine Macht ist.“
Die Menschwerdung Gottes ist sicher ein Zeichen der Liebe Gottes für die Menschheit, da Liebe ein Mit-sein bewirkt, das einen Austausch voraussetzt. Warum aber eine solche Demut, eine solche Armut, dass der verheißene Messias, der König von Israel, „in Windeln gewickelt“, vorgefunden wird, als Kind mit Maria, seiner Mutter, dem die Weisen aus dem Morgenland huldigen können (vgl. Mt 2, 11)? Es geht um unsere Erlösung. Um uns aus unserer erbärmlichen Lage zu befreien, geht der Sohn Gottes den ganzen Weg zu uns, wie er es später in der Parabel vom guten Hirten sagen wird, der die neunundneunzig Schafe in der Steppe zurücklässt, um das verlorene Schaf wiederzufinden und zur Herde zurückzubringen (vgl. Lk 15, 4).
Diese grundlegende Haltung Christi prägt und bestimmt nicht nur sein irdisches Leben, sondern auch die Kirche, deren Haupt er ist. Das Geheimnis der Menschwerdung Gottes und ihr Paradox betreffen den „ganzen Christus“, d. h. die Kirche, das Haupt und den Leib, wie der heilige Augustinus zu sagen pflegte. Deshalb braucht es uns nicht zu wundern, dass auch die Kirche im Laufe ihrer Geschichte als paradox erscheint: Paradox ist ihre Sendung in der Welt, die sie im Namen Christi erfüllt hat und auch heute noch erfüllt. Sie ist die Kirche des fleischgewordenen Wortes und hat deshalb Ähnlichkeit mit ihrem Gründer. Von Anfang an hat sie als Fundament die Apostel (vgl. Eph 2, 20). Sie waren keine gebildeten Leute, aber am Pfingstfest empfingen sie die Kraft der Liebe, so dass sie, geführt vom Heiligen Geist, die Botschaft von der Erlösung durch Jesus Christus bis an die Enden der Erde trugen. Diesen Dienst leistet auch die Kirche heute, um Petrus und seine Nachfolger geschart, wobei sie unter den Abspaltungen leidet, die im Laufe der Kirchengeschichte die Christenheit in verschiedene Konfessionen zerrissen haben.
Trotzdem bleibt die Kirche in der Welt ein Zeichen der Hoffnung, Dienerin der Erlösung, Mittel der fortwährenden Menschwerdung Gottes in der Verkündigung der Frohbotschaft, in den Sakramenten, in der brüderlichen Liebe innerhalb der christlichen Gemeinden. Niemand könnte etwas „im Namen Christi“ tun, ohne es in der Art und Weise Christi zu tun. So antwortete Jesus den Jüngern, die jemandem verwehren wollten, in Jesu Namen Dämonen auszutreiben: „Hindert ihn nicht! Keiner, der in meinem Namen Wunder tut, kann so leicht schlecht von mir reden“ (Mk 9, 39).
Also, wie das unauffällige Kind in der Krippe, in dem sich zugleich die Macht der Liebe Gottes zeigt, paradox ist, so handelt die Kirche in der Welt paradox: mit so wenigen menschlichen Mitteln, aber mit ständigem Erfolg. Woher hat die selige Mutter Teresa von Kalkutta ihre Kraft genommen, wenn nicht aus ihrem Glauben - oder besser gesagt - aus ihrer Nachfolge Christi? Nicht ohne Grund wollte sie, dass in den Kapellen aller Niederlassungen - groß an die Wand geschrieben - das Wort Jesu zu lesen ist „Mich dürstet“ und die Anbetung vor dem Tabernakel, wo Christus in der Demut und Unscheinbarkeit des sakramentalen Brotes gegenwärtig ist, zur Quelle der Hilfe für die Sterbenden, die Behinderten und Armen werde.
Paradoxie der Menschwerdung Gottes! Paradoxie der Macht der Liebe Christi, der sich uns zum Brot macht, um uns mit und durch seine Liebe zu seinem Bild und Gleichnis zu bestellen und - wagen wir das Wort - zu verwandeln.
Diese Liebe aber ist zuallererst auf den Vater ausgerichtet, der seinen Sohn als Erlöser in unsere Mitte .gesandt hat. Die Menschwerdung des Sohnes trägt völlig die Haltung des Gesandten, der nicht seinen Willen, sondern den des Vaters erfüllt. Jesus sagt: „Meine Speise ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat, und sein Werk zu Ende zu führen“ (Joh 4, 34). So haben es die Apostel gemacht - wie z. B. der hl. Paulus, der von sich sagt: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir“ (Gal 2, 20) - so haben es die Heiligen der späteren Zeit gemacht, so tun es ungezählte Christen, die seinen Leib - die Kirche - in der Welt sichtbar machen und mit Leben erfüllen. Dieses Paradox des Kindes in der Krippe, des Sohnes Gottes, der in unserer Mitte und für uns Mensch geworden ist, wirkt in seiner Kirche weiter: Nicht meine Meinung, sondern der Wille des Vaters ist der Orientierungspunkt, wenn ich als Jünger Jesu handle. Damit uns das gelingt, brauchen wir den Schlüssel, von dem Papst Benedikt XVI. sprach: die Liebe, die Liebe zum Vater, die Liebe zum Nächsten. Jesus sagt: „Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt“ (Joh 13, 35).
„Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt“ (Lk 2, 12). Mein Wunsch ist, dass durch die Gnade Gottes in der kommenden Weihnacht die Menschen - die Gläubigen wie auch die, deren Blick auf dieses Kind durch Konsumdenken verdunkelt ist - die Kirchen aufsuchen, um wie die Hirten von Bethlehem die Macht der Liebe Gottes zur Menschheit in der Kirche des menschgewordenen Wortes zu bewundern und in ihr Erlösung zu empfangen.
Die Menschwerdung Gottes ist sicher ein Zeichen der Liebe Gottes für die Menschheit, da Liebe ein Mit-sein bewirkt, das einen Austausch voraussetzt. Warum aber eine solche Demut, eine solche Armut, dass der verheißene Messias, der König von Israel, „in Windeln gewickelt“, vorgefunden wird, als Kind mit Maria, seiner Mutter, dem die Weisen aus dem Morgenland huldigen können (vgl. Mt 2, 11)? Es geht um unsere Erlösung. Um uns aus unserer erbärmlichen Lage zu befreien, geht der Sohn Gottes den ganzen Weg zu uns, wie er es später in der Parabel vom guten Hirten sagen wird, der die neunundneunzig Schafe in der Steppe zurücklässt, um das verlorene Schaf wiederzufinden und zur Herde zurückzubringen (vgl. Lk 15, 4).
Diese grundlegende Haltung Christi prägt und bestimmt nicht nur sein irdisches Leben, sondern auch die Kirche, deren Haupt er ist. Das Geheimnis der Menschwerdung Gottes und ihr Paradox betreffen den „ganzen Christus“, d. h. die Kirche, das Haupt und den Leib, wie der heilige Augustinus zu sagen pflegte. Deshalb braucht es uns nicht zu wundern, dass auch die Kirche im Laufe ihrer Geschichte als paradox erscheint: Paradox ist ihre Sendung in der Welt, die sie im Namen Christi erfüllt hat und auch heute noch erfüllt. Sie ist die Kirche des fleischgewordenen Wortes und hat deshalb Ähnlichkeit mit ihrem Gründer. Von Anfang an hat sie als Fundament die Apostel (vgl. Eph 2, 20). Sie waren keine gebildeten Leute, aber am Pfingstfest empfingen sie die Kraft der Liebe, so dass sie, geführt vom Heiligen Geist, die Botschaft von der Erlösung durch Jesus Christus bis an die Enden der Erde trugen. Diesen Dienst leistet auch die Kirche heute, um Petrus und seine Nachfolger geschart, wobei sie unter den Abspaltungen leidet, die im Laufe der Kirchengeschichte die Christenheit in verschiedene Konfessionen zerrissen haben.
Trotzdem bleibt die Kirche in der Welt ein Zeichen der Hoffnung, Dienerin der Erlösung, Mittel der fortwährenden Menschwerdung Gottes in der Verkündigung der Frohbotschaft, in den Sakramenten, in der brüderlichen Liebe innerhalb der christlichen Gemeinden. Niemand könnte etwas „im Namen Christi“ tun, ohne es in der Art und Weise Christi zu tun. So antwortete Jesus den Jüngern, die jemandem verwehren wollten, in Jesu Namen Dämonen auszutreiben: „Hindert ihn nicht! Keiner, der in meinem Namen Wunder tut, kann so leicht schlecht von mir reden“ (Mk 9, 39).
Also, wie das unauffällige Kind in der Krippe, in dem sich zugleich die Macht der Liebe Gottes zeigt, paradox ist, so handelt die Kirche in der Welt paradox: mit so wenigen menschlichen Mitteln, aber mit ständigem Erfolg. Woher hat die selige Mutter Teresa von Kalkutta ihre Kraft genommen, wenn nicht aus ihrem Glauben - oder besser gesagt - aus ihrer Nachfolge Christi? Nicht ohne Grund wollte sie, dass in den Kapellen aller Niederlassungen - groß an die Wand geschrieben - das Wort Jesu zu lesen ist „Mich dürstet“ und die Anbetung vor dem Tabernakel, wo Christus in der Demut und Unscheinbarkeit des sakramentalen Brotes gegenwärtig ist, zur Quelle der Hilfe für die Sterbenden, die Behinderten und Armen werde.
Paradoxie der Menschwerdung Gottes! Paradoxie der Macht der Liebe Christi, der sich uns zum Brot macht, um uns mit und durch seine Liebe zu seinem Bild und Gleichnis zu bestellen und - wagen wir das Wort - zu verwandeln.
Diese Liebe aber ist zuallererst auf den Vater ausgerichtet, der seinen Sohn als Erlöser in unsere Mitte .gesandt hat. Die Menschwerdung des Sohnes trägt völlig die Haltung des Gesandten, der nicht seinen Willen, sondern den des Vaters erfüllt. Jesus sagt: „Meine Speise ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat, und sein Werk zu Ende zu führen“ (Joh 4, 34). So haben es die Apostel gemacht - wie z. B. der hl. Paulus, der von sich sagt: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir“ (Gal 2, 20) - so haben es die Heiligen der späteren Zeit gemacht, so tun es ungezählte Christen, die seinen Leib - die Kirche - in der Welt sichtbar machen und mit Leben erfüllen. Dieses Paradox des Kindes in der Krippe, des Sohnes Gottes, der in unserer Mitte und für uns Mensch geworden ist, wirkt in seiner Kirche weiter: Nicht meine Meinung, sondern der Wille des Vaters ist der Orientierungspunkt, wenn ich als Jünger Jesu handle. Damit uns das gelingt, brauchen wir den Schlüssel, von dem Papst Benedikt XVI. sprach: die Liebe, die Liebe zum Vater, die Liebe zum Nächsten. Jesus sagt: „Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt“ (Joh 13, 35).
„Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt“ (Lk 2, 12). Mein Wunsch ist, dass durch die Gnade Gottes in der kommenden Weihnacht die Menschen - die Gläubigen wie auch die, deren Blick auf dieses Kind durch Konsumdenken verdunkelt ist - die Kirchen aufsuchen, um wie die Hirten von Bethlehem die Macht der Liebe Gottes zur Menschheit in der Kirche des menschgewordenen Wortes zu bewundern und in ihr Erlösung zu empfangen.
+Jean-Claude Périsset
Apostolischer Nuntius
Veröffentlicht in: Die Tagespost, Samstag, 22. Dezember 2007, Nummer 153/154, 60. Jahrgang, S. 1.



