Ansprachen
Ansprache
des Doyens des Diplomatischen Corps,
Erzbischof Dr. Jean-Claude Périsset,
beim Empfang der Bundeskanzlerin für das Diplomatische Corps
Bundeskanzleramt, 24. Januar 2011
Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin!
Sehr geehrte Bundesministerinnen und Bundesminister!
Wenn Sie uns, das Diplomatische Corps, zum Neujahrsempfang einladen, freut es uns als die Vertreter vieler Staaten und internationaler Organisationen nicht nur, Ihnen, Frau Bundeskanzlerin, und Ihrer Regierung die besten Wünsche für das neue Jahr aussprechen zu dürfen, sondern auch - und das möchte ich unterstreichen - von Ihnen im direkten Kontakt einen Überblick über die Ziele der Arbeit Ihrer Regierung zu empfangen.
Diplomaten sind ja an allem interessiert, was im Land ihrer Tätigkeit geschieht, und sie freuen sich besonders, wenn sie in ein unmittelbares Gespräch mit den Hauptverantwortlichen der Regierung und der Politik insgesamt kommen. Sie selbst, Frau Bundeskanzlerin, nehmen persönlich an vielen internationalen – multi- und binationalen – Konferenzen und Gesprächen teil: Dabei geht es um Kontakte, die durch die modernen Verkehrs- und Kommunikationsmittel erleichtert werden und die andererseits unsere eigene Berichtstätigkeit als Botschafter immer mehr zu einer Vor- oder Nachstufe solcher Begegnungen werden lassen.
In Ihrer Ansprache an das deutsche Volk am 1. Januar haben Sie drei Punkte besonders angesprochen:
Erstens: Ihre Zuversicht für die Zukunft: Sie wissen um die Stärken der Bürgerinnen und Bürger Deutschlands, die bereit sind, auch unter schwierigen Umständen ihre Verantwortung wahrzunehmen. Das erleichtert es Ihnen, Gesetze zu erlassen und Maßnahmen zu ergreifen, die das Zusammenwirken aller im Wissen um die Notwendigkeiten zuwege bringen. Dabei ist vieles zu bedenken, wenn man zu weisen Entscheidungen kommen will. Der Vergleich mit der letzten Fußballweltmeisterschaft in Südafrika drängt sich auf: Der Erfolg ist daran gebunden, dass sich jeder mit ganzer Kraft in das Gefüge der Mannschaft einfügt und auf ehrgeizige Alleingänge verzichtet.
Zweitens: Die Verantwortung Deutschlands für Europa und darüber hinaus für die ganze Welt hat in Ihnen nicht nur eine überzeugte Vorkämpferin, sondern auch - und noch mehr - die treibende Kraft und Koordinatorin. Ja, tatsächlich ist es so, dass nicht nur der Euro für das Zusammenwachsen der Europäischen Union wichtig ist, sondern auch die Überwindung der Meinungsverschiedenheiten in so manchen gesellschaftspolitischen Fragen wie der des rechten Umgangs mit Migranten und mit Minderheiten, wie dem Problem der Sorge für die Menschen in Krankheit und Alter, um nur einzelne herauszugreifen.
Drittens: Schließlich sind Sie und Ihre Regierung entschlossen, für unsere globalisierte Welt einen wesentlichen Dienst zu leisten. Dass Deutschland für die Jahre 2011 und 2012 als nichtständiges Mitglied in den Weltsicherheitsrat gewählt worden ist, bietet ihm eine vortreffliche Möglichkeit, in diesem Forum, dem die Hauptverantwortung für die Wahrung des Friedens und der internationalen Sicherheit obliegt, im Miteinander der Völker die Werte von Recht und Gerechtigkeit zu stärken. Keine leichte Verantwortung, aber sicher eine fordernde, deren Erfolg bei Ihrer Zuversicht und Ihrem Optimismus gesichert scheint.
Ihnen, Frau Bundeskanzlerin, den Mitgliedern Ihrer Regierung und Ihren Mitarbeitern wünscht das Diplomatische Corps Gesundheit, Kraft, Zufriedenheit und Gottes Segen – wie es im Buch der Sprichwörter heißt: „Befiehl dem Herrn dein Tun an, so werden deine Pläne gelingen“ (Spr 16, 3).
Ein frohes und erfolgreiches Jahr 2011!



