Ansprachen
Vortrag
des Apostolischen Nuntius in Deutschland,
Erzbischof Dr. Jean-Claude Périsset,
im Rahmen der Feier des 60-jährigen Bestehens des Sozialinstituts Kommende
(Dortmund, 17. November 2009)
Christliche Weltverantwortung aus deutscher Perspektive
Sehr geehrte Festversammlung!
„Yes we can!“ „Gott kann mehr!”
Warum nehme ich diese beiden Aussagen als Pole meiner Ausführungen bei diesem Festakt zum 60jährigen Bestehen des Sozialinstituts Kommende Dortmund? Die erste war das Motto der Wahlkampagne Obamas und stellt schlicht den Einsatz des Politikers für die Gesellschaft auch in einer Zeit der Finanz- und Wirtschaftskrise dar. Der zweite Satz war das Motto der Schönstattbewegung beim diesjährigen Jahrestag ihrer Gründung am 18. Oktober in Vallendar und erinnert uns daran, dass wir im christlichen Glauben eine neue und wirksamere Prägung für unseren menschlichen Einsatz in der Gesellschaft besitzen. Nichts anderes wird uns von Papst Benedikt XVI. gesagt, wenn er in seiner Sozialenzyklika Caritas in veritate schreibt: „Die Kirche hat keine technischen Lösungen anzubieten und beansprucht keineswegs, ‚sich in die staatlichen Belange einzumischen‘. Sie hat aber zu allen Zeiten und unter allen Gegebenheiten eine Sendung der Wahrheit zu erfüllen für eine Gesellschaft, die dem Menschen und seiner Würde und Berufung gerecht wird“ (Caritas in veritate 9b).
Die gesellschaftliche Spannung zwischen den beiden eingangs dargestellten Positionen, in der wir als Christen stehen, verlangt von uns, dass wir beiden Polen, dem Menschen und Gott, jeweils hundertprozentig treu sind. Nicht ohne Grund verlangt die Konzilskonstitution Gaudium et spes, dass „die Gläubigen … in engster Verbindung mit den anderen Menschen ihrer Zeit leben und sich bemühen (sollen), ihre Denk- und Urteilsweisen, die in der Geisteskultur zum Ausdruck kommen, vollkommen zu verstehen. Das Wissen um die neuen Wissenschaften, Anschauungen und Erfindungen sollen sie verbinden mit christlicher Sittlichkeit und mit ihrer Bildung in der christlichen Lehre, damit religiöses Leben und Rechtschaffenheit mit der wissenschaftlichen Erkenntnis und dem täglich wachsenden technischen Fortschritt bei ihnen Schritt halten und sie so alles aus einer umfassenden christlichen Haltung zu beurteilen und zu deuten vermögen“ (Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes 62).
Ich habe dieses lange Zitat gebracht, weil das Gesagte mir wie eine Grundurkunde oder - besser gesagt - ein Grundstein für ein Sozialinstitut wie die „Kommende Dortmund“ zu sein scheint. Das Sozialinstitut ist ein ausgezeichnetes Mittel, die christliche Weltverantwortung in Deutschland – und nicht nur dort – auszuüben. Das fortwährende Studium der Gesellschaft in ihrer Beschaffenheit und ihrer ständigen und konkreten Entfaltung wie z. B. in der Finanz- und Wirtschaftskrise, die schon seit vierzehn Monaten andauert, und zwar im Lichte der Soziallehre der Kirche, jetzt näherhin – Papst Benedikt sei Dank – mit Hilfe der Enzyklika Caritas in veritate, ist für die Kirche, für die Gesellschaft in Deutschland und darüber hinaus ein unerlässlicher Bestandteil der Verantwortung der Kirche für die Welt. Da nach dem Zweiten Vatikanum „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, … auch Freude und Hoffnung, Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christ (sind)“ (Gaudium et spes 1), sollen wir alle – wohl gerüstet dank der uns angebotenen Studien des hiesigen Instituts – uns auf die heutigen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen einlassen.
1. Warum sich als Christen um soziale Fragen kümmern?
Die Antwort ist schlicht: Weil Christus uns sagte: „Alles, was ihr von anderen erwartet, das tut auch ihnen“ (Mt 7, 12)! Dieses Grundgesetz einer friedlichen Gesellschaft ist ja Gemeingut der Menschheit und findet sich auch in anderen Religionen. Mit Christus gehen wir noch weiter, da er der Maßstab unseres Handelns ist: „Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben“ (Joh 13, 34). Und was das „Wie“ bedeutet, das hatte er den Jüngern gerade gezeigt, indem er, der Meister, ihnen, seine Jüngern, die Füße wusch: „Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe“ (Joh 13, 15).
In diesem Sinne ist auch die Kirche „mater et magistra“ – so auch der Titel einer Enzyklika von Papst Johannes XXIII. vom 15. Mai 1961 – und durch ihre Lehre und ihr Handeln „Dienerin“ der Menschheit. Und auch wir sind es, die wir die Soziallehre der Kirche zu einem Bestandteil unserer Bildung machen, weil wir uns selber in der Gesellschaft und in der Kirche als Sozialwesen wissen. Ist unser menschliches Wesen nicht schlussendlich in der Heiligen Dreifaltigkeit verwurzelt? Denn wir sind als Abbild Gottes, ihm ähnlich (vgl. Gen 1, 26) geschaffen. In seiner Vorlesung über die Dreifaltigkeit sagte dazu mein Dogmatik-Professor Charles Journet (er wurde vor der letzten Sitzung des Zweíten Vatikanums zum Kardinal erhoben), als er die Stelle in der Summa Theologica des heiligen Thomas von Aquin kommentierte, an der der Doctor Angelicus die Beziehungen der drei Personen in Gott darstellt: „In diesem ‚ad secundum‘ haben wir den Kern der Sozialität des Menschen und deshalb der Soziallehre der Kirche“.
In der modernen Geschichte der Kirche in Deutschland können wir feststellen, wie früh und zeitgemäß sich ihr sozialer Einsatz entwickelt hat.
Die Soziallehre der Kirche wurde in Deutschland schon früh und mit großem Einsatz gelehrt und gelebt und hat den Weg zur Enzyklika Rerum novarum von Papst Leo XIII. (15. Mai 1891) vorbereitet und ausgelegt oder besser – bildlich gesprochen: gepflastert. In seinem Werk „Das Kapital – ein Plädoyer für den Menschen“ (München 2008) schreibt Erzbischof Reinhard Marx über den Einsatz eines Wilhelm Emmanuel von Ketteler im Vergleich zu der Haltung und den Werken seines Namensvetters (sic!) Karl Marx: „Sie wissen ja nur zu gut, dass die Kirche im 19. Jahrhundert die Soziale Frage nicht allein ihnen (den Kommunisten) und der von ihnen ins Leben gerufenen Kommunistischen Bewegung überlassen wollte. Diese waren noch nicht einmal geboren, da haben bereits sozial engagierte Christen wie Franz von Baader (1765-1824) und Adam Heinrich Müller (1779-1829) den im 18. Jahrhundert aufkommenden Kapitalismus scharf kritisiert und auf die Not der in den neuartigen Fabriken schuftenden Arbeiter aufmerksam gemacht“ (R. Marx, Das Kapital, S. 12). Und was könnten wir nicht alles noch sagen über den Einsatz eines Adolph Kolping, eines Friedrich Wilhelm Raiffeisen und später im Bereich der Lehre eines Oswald von Nell-Breuning? Und was könnte alles über die Fuggerei in Augsburg gesagt werden, die schon 1521 gestiftet wurde?
In der Perspektive Deutschlands sieht man dank des gezielten Einsatzes der Kirche in der Gesellschaft und auch der – von einzelnen Perioden abgesehen – durchgängig positiv-konstruktiven Beziehungen zwischen Staat und Kirche, dass die Lehre der Kirche und vor allem der Einsatz der Christen sehr wohl beachtet werden, auch wenn sie in den politischen Entscheidungen nicht immer umgesetzt werden.
2. Wie nimmt die Kirche ihre Verantwortung im Sozialbereich wahr?
Das schon Gesagte zeigt uns, dass die Soziallehre der Kirche eine wichtige Rolle spielt: nicht nur in besonderen Einrichtungen wie dem Sozialinstitut Kommende Dortmund, die hier den Schwerpunkt ihrer Arbeit haben, sondern auch in der normalen Ausbildung der Priester und Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten an den Theologischen Fakultäten hat das Fach Christliche Soziallehre einen festen Platz. Im Übrigen braucht man sich nur unsere Städte und Dörfer anzuschauen, um die katholischen Schulen, Spitäler, Hilfsdienste und dergleichen zu sehen, die dort tätig sind. Mit ihren karitativen Einrichtungen ist die katholische Kirche mit 520.000 hauptberuflichen Mitarbeitern einer der größten Arbeitgeber Deutschlands. Dass diese ihren Einsatz hochprofessionell leisten, gilt als selbstverständlich; was darüber hinausgeht ist die Gesinnung: die Art und Weise, die Christus uns in der Fußwaschung vor seinem Leiden vorgelebt hat: „Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe“ (Joh 13, 15). In diesem Sinne wird versucht, bei den Mitarbeitern in Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen den christlichen Geist zu vertiefen und zu pflegen, und das besonders auch in den berufsständischen Verbänden.
Die vielen ehrenamtlichen Dienste, z. B. Sprachkurse zugunsten der Migranten oder Mitarbeit im Malteser-Hilfsdienst sind Ausdruck der Bereitschaft der Katholiken, ihre soziale Verantwortung wahrzunehmen.
Man muss zudem die Tagungen und Seminare über die Soziallehre der Kirche erwähnen, die auch in Zusammenarbeit mit entsprechenden Einrichtungen in Deutschland oder dem Ausland durchgeführt werden, z. B. „Les Semaines Sociales“ aus Frankreich. Sie zeigen, dass aus deutscher Perspektive die christliche Verantwortung erkannt und praktiziert wird.
3. Welche Mittel stehen uns heute zur Verfügung, unsere christliche Weltverantwortung wahrzunehmen?
Die Bildung scheint mir grundlegend zu sein, weil das Axiom gilt: „agere sequitur esse“ und das Christsein unser Mitwirken mit der Gnade Gottes verlangt. Die erste Bildung ist uns im Glauben gegeben. Wenn wir das Vaterunser ernst nehmen, haben wir in seinem zweiten Teil vier Hauptrichtungen für unseren Einsatz in der Gesellschaft: Das Brot ist die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit. Unsere Arbeit ist zum Erwerb des Lebensunterhalts ein Mittel zum Leben. Die Vergebung der Sünden ist der Weg der Versöhnung zwischen entgegengesetzten Gruppen und Nationen und zum Frieden nötig. Der Kampf gegen jede Form der Versuchung wie Machtstreben, Gier, Lüge und dergleichen lässt den Menschen mit Erfolg nachhaltig in der Menschlichkeit wachsen und die Rechte anderer achten. Schließlich: die Ablehnung jedweden Übels und die Flucht vor ihm ist eine gesunde Grundlage für eine friedliche Gesellschaft.
Man sollte mehr die übliche Religionslehre – für uns den Katechismus in der Familie und in der Schule – als ein geeignetes Mittel schätzen, die christliche Verantwortung für die Welt und die Gesellschaft auszuüben.
Die wissenschaftliche Soziallehre der Kirche ist - wie schon erwähnt – heutzutage unerlässlich, wenn es darum geht, auf die Fragen der Gegenwart gültige Antworten zu geben. Große Hilfen sind dabei die Sozialenzykliken der Päpste, ihre Jahresbotschaften zum Weltfriedenstag am 1. Januar jeden Jahres, die Dokumente der Bischofskonferenzen und ähnliche Quellen. Ich möchte hier zwei wissenschaftliche Werke erwähnen: das voluminöse „Handbuch der katholischen Soziallehre“, jüngst herausgegeben von Anton Rauscher in Verbindung mit Jörg Althammer, Wolfgang Bergsdorf und Otto Depenhauer (Berlin 2008, XXIV+1129 Seiten), das für lange Zeit ein vortreffliches Instrument für unsere Bildung in der Soziallehre der Kirche sein wird, und das „Kompendium der Soziallehre der Kirche“, herausgegeben vom Päpstlichen Rat für Gerechtigkeit und Frieden (Città del Vaticano und Freiburg 2006).
Besondere Situationen, die uns herausfordern, unsere christliche Weltverantwortung wahrzunehmen, sind die immer häufiger auftretenden Naturkatastrophen und die Kriege in der Welt, bei denen wir entsprechend den zur Verfügung stehenden Mitteln durch Hilfswerke, wie Caritas und Misereor, den betroffenen Menschen zu Hilfe kommen. Es ist eben bedeutungsvoll, - und zwar nicht nur für die katholische Kirche, sondern für die gesamte deutsche Gesellschaft -, dass das Spendenaufkommen der Hilfswerke bis jetzt von der gegenwärtigen Finanz- und Wirtschaftskrise nur in geringem Umfang betroffen sind. Die konkrete Nächstenliebe, die sich in solchen Notsituationen bewährt, ist Frucht einer christlichen Bildung oder zumindest einer religiösen Grundhaltung dem Nächsten gegenüber. In dieser Beziehung sind da auch viele Verbände zu nennen, die ein Voluntariat zum Dienst in ärmeren Ländern anbieten – als Lehrer, Ärzte, Krankenpfleger, Ingenieure usw.
4. Ein weites Feld der christlichen Weltverantwortung sind heute die sozialethischen Fragen. In einer bunten Gesellschaft, die ihre christliche Prägung immer mehr verliert, wird es immer schwerer, auf der politischen Ebene christliche Grundpositionen zur Geltung zu bringen. In seiner Enzyklika Caritas in veritate skizziert Papst Benedikt XVI. warum das so ist und verweist auf die Wechselwirkung zwischen den Kulturen. Er schreibt: „Man darf dabei allerdings nicht außer Acht lassen, dass die zunehmende Kommerzialisierung des Kulturaustauschs heute eine zweifache Gefahr begünstigt. An erster Stelle ist ein häufig unkritisch angenommener kultureller Eklektizismus zu beobachten, … (der) der das Abgleiten in einen Relativismus fördert. … An zweiter Stelle existiert die entgegengesetzte Gefahr, die in der kulturellen Verflachung und der Vereinheitlichung der Verhaltensweisen und der Lebensstile besteht. … Eklektizismus und kulturelle Nivellierung laufen auf die Trennung der Kultur von der menschlichen Natur hinaus“ (Caritas in veritate 26).
Mir scheint diese Äußerung auch auf die deutsche Gesellschaft zuzutreffen, und zwar nicht nur auf den Dialog zwischen den tief geprägten Kulturen der Welt, weil in der hiesigen Gesellschaft verschiedene kulturelle Schichten erkennbar sind, die sich immer schärfer voneinander abgrenzen. Es genügt, mit der Eisenbahn zu fahren, um sich davon überzeugen zu können.
Zurück zu den ethischen Fragen: Man stellt fest, wie wichtig es ist, Politiker zu finden, die ihre Entscheidungen im Licht des christlichen Glaubens treffen. Die „Lehrmäßige Note zu einigen Fragen über den Einsatz und das Verhalten der Katholiken im politischen Leben“, die die Glaubenskongregation unter der Leitung von Joseph Kardinal Ratzinger am 24. November 2002 veröffentlichte, war durchaus zeitgemäß. In diesem Dokument wird die Bedeutung einer positiven Laizität herausgestellt: „Die gewissenhafte Förderung des Gemeinwohles hat nichts mit ‚Konfessionalismus‘ oder religiöser Intoleranz zu tun. Für die katholische Morallehre ist die Laizität, verstanden als Autonomie der zivilen und politischen Sphäre gegenüber der religiösen und kirchlichen – aber nicht gegenüber der moralischen Sphäre –, ein von der Kirche akzeptierter und anerkannter Wert, der zu den Errungenschaften der Zivilisation gehört“ (a. a. O. Nr. 6; vgl. auch Gaudium et spes 76).
In Anwendung auf die heutige Weltlage, die durch die Finanz- und Wirtschaftskrise belastet ist, bekräftigt die Enzyklika Caritas in veritate die Verantwortung des Staates und der Politiker. „Heute - … - scheint eine neue Wertbestimmung der Rolle und der Macht des Staates realistischer; beides muss klug neu bedacht und abgeschätzt werden, so dass die Staaten wieder imstande sind – auch durch die Modalitäten der Ausführung -, sich den Herausforderungen der heutigen Welt zu stellen“ (Caritas in veritate 24), und besonders durch eine wachsende Anteilnahme der Bürger an der Res publica (vgl. ebd.).
Eine solche Perspektive ist für Christen in der Politik zugleich ermutigend und anspruchsvoll. Die Weltverantwortung der Kirche braucht ihren konkreten Einsatz, um Gestalt anzunehmen. Deshalb sind Sozialinstitute wie die hiesige Kommende Dortmund nötig, um ihnen das nötige Rüstzeug mit auf den Weg zu geben und ihr Wissen zu vertiefen.
In dem schon erwähnten Handbuch der katholischen Soziallehre ist das Vierte Kapitel „Ethische Grundlagen des Lebens“ besonders lesenswert, in dem Manfred Spieker, Bernd Kettern und Clemens Breuer über Lebensschutz, über den Umgang mir kranken, behinderten und alten Menschen und über menschenwürdiges Sterben schreiben. Klar wird zwischen „gesetzlich“ und „moralisch“ unterschieden. Ein Gesetzgeber, der sich dem Zeitgeist beugt – oder sagen wir: dem Zeitdruck – und sich anpasst, verliert seine ihm angeborene Würde und seine Identität.
Zum Schluss dieser kurzen Erwähnung über Fragen der christlichen Verantwortung aus deutscher Perspektive sei es mir gestattet, zwei Zitate von deutschen Bischöfen zu bringen, die in Beziehung zu brennenden Sozialfragen stehen. Das erste ist datiert vom 26. September 1996 und ist dem Gemeinsamen Hirtenwort der deutschen Bischöfe zur ethischen Beurteilung der Abtreibung entnommen, das den Titel trägt: „Menschenwürde und Menschenrechte von allem Anfang an“. Dort heißt es: „Das Vertrauen auf Gottes Treue zum Leben gibt uns die Kraft, in allen Belastungen und Gefährdungen an dem Sieg des Lebens über den Tod festzuhalten und unsere ganze Kreativität und Phantasie einzubringen in den Dienst an der neuen Kultur der Liebe und der ehrfürchtigen Annahme des Lebens“ (Die deutschen Bischöfe Nr. 57, S. 9).
In seinem Eröffnungsreferat zur Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofkonferenz in Fulda am 19. September 2005 sprach der Vorsitzende Karl Kardinal Lehmann über „Neue Zeichen der Zeit – Unterscheidungskriterien zur Diagnose der Situation der Kirche in der Gesellschaft und zum kirchlichen Handeln heute“ und machte in Bezug auf „die Kirche in einer Zeit des Übergangs“ klar: „Die Kirche, die nicht identisch ist mit einer Sekte, kümmert sich um das Heil und Wohl der Menschen; dies gilt für eine ganzheitliche Sorge um alle, nicht bloß um die Mitglieder der Kirche, sondern um die Menschen aus allen Schichten …“ (Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heft 26, S. 29).
Ja, aus der deutschen Perspektive sind „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen“ „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi“ (Gaudium et spes 1).



